Katzengeflüster: Manchmal ist der schwerste Weg der beste

Heute gibt es mal einen persönlichen Beitrag von mir. Einerseits, weil ich erklären will, warum es in den letzten Monaten hier nur schleppend voran ging, andererseits habe ich das Gefühl, dass ich mir das alles mal von der Seele schreiben muss.

Wie einige von euch sicher in Beiträgen von mir mitbekommen haben, habe ich mich für das Studium der Germanistik entschieden. Mein Traum war es immer, Lektorin in einem Verlag zu werden. Ich wusste von Anfang an, dass das ein sehr hochgestecktes Ziel ist, vor allem in Österreich. Denn die Verlagslandschaft ist hier eher mau. Trotzdem habe ich an diesem Ziel festgehalten.

Das Bachelorstudium ging mir eigentlich noch ziemlich leicht von der Hand, auch wenn ich mit den Inhalten des Germanistikstudiums nicht viel anfangen konnte. Es war mir alles zu theoretisch.
Das Masterstudium war ursprünglich gar nicht geplant. Trotzdem habe ich ihn begonnen mit dem Wissen, dass ich mit einem höheren Studienabschluss sicher leichter einen Job bekomme als nur mit dem Bachelor.
Leider fehlte mir von Anfang an die Motivation. Mit einem Teilzeitjob, Pendeln zur Uni und wenig Begeisterung versuchte ich, das Beste daraus zu machen und das Studium schnell durchzuziehen. Natürlich gelang mir das nicht. Ich habe einige Kurse nicht abgeschlossen, vor allem die, die man mit einer schriftlichen Arbeit abschließen musste. Denn das wissenschaftliche Arbeiten lag mir von Anfang an nicht. Ich bin jemand, der lieber knapp und präzise schreibt. Ausführlich über ein kleines Thema schreiben, alles bis ins kleinste Detail analysieren, das war einfach nicht meins.

Mein Dilemma fing letztes Jahr an. Ich lernte Rebekka Mand kennen und sie ermöglichte mir meinen ersten Korrekturauftrag.
Das Korrekturlesen begleitete mich eigentlich schon seit ich ein Teenager war. Angefangen hat es damit, dass damals eine Freundin ihr erstes Buch schreiben wollte. Ich war diejenige, die jedes Kapitel gefühlt dutzende Male gelesen hat, da sie jede Woche alles umschrieb. Dann bin ich durch ein Forum auf das Betalesen aufmerksam geworden. So habe ich auch einige Jahre Fanfictions, vor allem zu Herr der Ringe, begleitet. Dadurch wuchs der Wunsch in mir, dass ich unbedingt Lektorin werden möchte.
Durch das Studium war das erstmal auf Eis gelegt. Bis letztes Jahr.
Rebekka Mand gab mir die Chance und hat mir somit wieder gezeigt, was mir wirklich Spaß macht und mit was ich mein Geld verdienen möchte: Autoren auf ihrem Weg zur Veröffentlichung eines Buches begleiten.
Doch darunter hat meine Motivation für den Abschluss des Masterstudiums noch mehr gelitten. Ich stand vor der für mich unlösbaren Aufgabe, eine Masterarbeit zu schreiben. Nebenbei machte ich aber schon das, was ich machen wollte. In mir kreiste ständig der Gedanke: Warum brauche ich diesen Abschluss, wenn ich jetzt schon das mache, was ich liebe?
Ich hätte sogar noch ein paar weitere Korrekturaufträge erhalten, die ich absagen musste, da eigentlich der Studienabschluss an erster Stelle stand.
Es folgten Wochen, in denen ich so gut wie nichts schlief, Angstzustände, Albträume. Ein großes Motivationsloch.

Bis mich letzte Woche eine Nachricht bezüglich des Studiums erreichte, die mich endgültig vor eine Wahl stellte. Der Studienplan, in dem ich mein Studium begonnen hatte, sollte Ende September auslaufen. Eigentlich hatte ich alle Lehrveranstaltungen, die nötig waren, schon abgeschlossen und mir fehlte nur mehr die Masterarbeit sowie die Prüfung. Da sich im neuen Studienplan aber die ECTS-Punkte umverteilten, fehlten mir jetzt noch weitere Kurse, und das nicht wenige.
Somit musste ich mich entscheiden: Setze ich mich noch einmal mindestens ein Semester in die Uni, zahle Studiengebühren und werde, wenn alles gut läuft, erst im Frühling oder Sommer mit dem Studium fertig, oder breche ich das Ganze ab und entscheide mich dafür, einen Zertifikatslehrgang Lektorat zu machen, der zwar extrem teuer ist, mir aber vermutlich mehr bringt als der theoretische Master?
Ihr könnt mir glauben, mir fiel die Entscheidung wirklich nicht leicht. Denn der Gedanke, drei Jahre lang umsonst studiert zu haben und nun eine Studienabbrecherin zu sein, hat mich fertig gemacht. Ich bin kein Mensch, der leichtfertig aufgibt. Doch ich musste mir eingestehen, dass ich mit dem Fortgang des Studiums nicht glücklich werde und mich das Ganze wahrscheinlich irgendwann auch kaputt gemacht hätte.
Somit habe ich mich entschieden, mein Masterstudium kurz vor dem Abschluss abzubrechen. Ich fange im Oktober einen Lehrgang zum Thema Lektorat an, der in Österreich einzigartig ist, der mir aber genau das beibringt, was ich in dem Beruf, den ich machen möchte, wissen muss.

Die Entscheidung war schwer. Ich hatte Angst davor, was mein Umfeld nun von mir denken würde. Ich habe mich selbst als Versagerin angesehen und schließlich bin ich auch gescheitert. Trotz meiner Befürchtungen steht meine Familie und, für mich am wichtigsten, mein Freund hinter mir und unterstützen mich.
Für mich heißt das zwar, dass ich noch weiterhin in meinem Nebenjob als Kassiererin festhänge, trotzdem aber schon in meine Selbständigkeit als Lektorin/Korrektorin starten kann. Im Juni nächsten Jahres habe ich dann sogar ein Zertifikat in der Hand, das mich als Lektorin auszeichnet.
Ich schaue endlich wieder positiv in die Zukunft und habe viel bessere Laune 🙂
Manchmal ist der schwerste Weg halt doch der beste für einen selbst.

3 Gedanken zu “Katzengeflüster: Manchmal ist der schwerste Weg der beste

  1. Hey du,

    sag mal, was sagst du denn da?! Das hat doch nichts mit Versagen zu tun, du Liebe!
    Du hast eine sehr mutige Entscheidung gefällt und hast dich von einem für dich falschen Weg abgewandt. Das ist doch super! Wieso etwas machen was dir keinen Spaß macht und dir nichts bringt? Du lebst dein Leben und solltest es so leben, wie du es möchtest: du hast nur dieses eine 😉

    Freut mich sehr dass es geschafft hast, dich nicht zu etwas zu zwingen, sondern das machst, was du machen möchtest. Ich wünsch dir ganz viel Spaß und Glück dabei und drück dir alle Daumen! <3

    Liebste Grüße, Aleshanee

    • Liebe Aleshanee,

      vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Es tut richtig gut, sowas zu lesen <3
      Du hast eindeutig recht. Um ehrlich zu sein, hätte ich den Schritt wahrscheinlich schon eher wagen sollen, und ich habe auch oft darüber nachgedacht, mich aber schlussendlich doch nicht getraut. Umso erleichtert bin ich jetzt darüber.

      Liebe Grüße
      Silke

      • Das freut mich sehr für dich! Hauptsache du hast den Schritt gemacht, ob früher besser gewesen wäre, darüber würde ich mir nicht den Kopf zerbrechen. Manchmal muss man einfach nach vorne schauen <3

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