Katzengeflüster: Das Geschlecht des Autors

Angeregt durch eine Diskussion, die Christian Handel in der Facebookgruppe des Drachenmond Verlages angestoßen hat, und diesem Artikel auf Tor-Online, habe ich mir auch so meine Gedanken gemacht bezüglich dem Thema “Geschlecht des Autors”. Ich beziehe mich hier zum Großteil auf die phantastische Literatur.

Autorname als Kaufkriterium?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich so gut wie nie bei dem Kauf eines Buches auf den Autorennamen achte. Ausgenommen davon ist natürlich die Tatsache, wenn ich nach einem bestimmten Buch einer Autorin oder eines Autors suche. Aber wenn ich im Buchladen oder auch auf Amazon einfach nur etwas stöbere, um meine Wunschliste aufzufüllen, bleibt mein Blick nie beim Namen des Verfassers des Buches hängen.
Obwohl ich doch auch sagen muss: Ein Blick in meine Bücherregale zeigt, dass zum Großteil weibliche Namen vertreten sind. Aber wieso ist das so?
Ich lese doch hauptsächlich phantastische Literatur im Jugendbereich oder im Genre “Romantic Fantasy”. Und da sind einfach Frauen stärker vertreten.
In den letzten Jahren habe ich eher selten zu High Fantasy-Romanen gegriffen, dem Genre, in dem eher die männliche Fraktion der Autoren zu finden ist. Und das liegt bei mir zum Großteil auch am Marketing der Verlage.

Cover als Beeinflussung der Leserschaft

Wer meinem Blog schon länger folgt, weiß, dass ich eine totale Coverkäuferin bin. Mich muss das Cover als erstes ansprechen, sonst nehme ich das Buch sehr selten in die Hand, um mir den Klappentext durchzulesen.
Und ich denke, genau hier liegt ein großes Problem. Man muss sich nur alleine die Büchertische in der Buchhandlung ansehen. Meist sind diese aufgeteilt in Fantasy, Romantic und Jugendfantasy. Auf dem Fantasy-Tisch sind hauptsächlich die Cover vertreten, die Männer ansprechen: Schwerter, Äxte usw. Das ist ein Grund dafür, warum ich so selten zu solchen Büchern greife. Mich als Frau sprechen sie einfach nicht an.
Auf dem Romantic-Tisch daneben finden sich dann die typischen Cover, die Frauen ansprechen sollen: nackte Oberkörper von muskelbepackten Männern, die am besten auch noch eine wunderschöne Frau in den Armen halten. Man kann sich hier also schon denken, welche Bücher von Männern und welche von Frauen geschrieben wurden, oder?
Mich sprechen, ehrlich gesagt, keiner der beiden Tische an. Deswegen kaufe ich auch hauptsächlich Bücher aus dem Jugendfantasy-Bereich. Da findet man noch eher geschlechterneutrale Cover.
Natürlich gibt es auch einfach Bücher, die eher das eine oder das andere Geschlecht ansprechen, aber muss das gleich so sichtbar gemacht werden? Am besten wären ganz schlichte einfarbige Cover ohne Autorennamen, aber das würde doch auch sicher wieder keiner kaufen. Ich denke, dass es keine richtige Antwort darauf gibt, wie man das ändern könnte, aber schade finde ich den Umstand schon, dass hier doch so eingegriffen wird.

Fantasy als Männerdomäne?

Auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse habe ich mit ein paar Autorinnen vom Nornennetz gesprochen, die mich auf einen Missstand in der Verlags- bzw. Publikationsbranche aufmerksam gemacht haben, der mir so noch gar nicht bewusst war: Frauen haben es in der Phantastik nicht gerade leicht.
Gerade im Genre High Fantasy oder wenn in ihren Romanen keine Liebesgeschichte vorkommt, die man gut promoten kann. Und das fand ich erschreckend, da ich mir nicht vorstellen kann, dass so viele Leserinnen und Leser wirklich darauf achten, von welchem Geschlecht das Buch geschrieben wurde.

Ich weiß, dass gerade das Fantasy-Genre im deutschsprachigen Bereich noch “relativ” jung ist und dass es lange Zeit auch männliche Fantasy-Autoren schwer hatten, phantastische Literatur an die Verlage zu bringen. Aber wieso sollte es einen Unterschied machen, ob das Buch nun von einer Frau oder von einem Mann geschrieben wurde? Hauptsache, es ist gut.
Und dass es scheinbar wirklich deswegen Diskriminierung gibt, finde ich wirklich traurig, und es macht mich richtig wütend.

Männer können keine Frauenfiguren schreiben

Scheinbar gibt es aber doch Leserinnen und Leser die den Verfasser eines Buches als Kauf- und Lesekriterium ansehen. In einigen Kommentaren in der Facebook-Diskussion habe ich gelesen, dass es Leute gibt, die nur Bücher von Frauen lesen. Das ist natürlich völlig legitim. Jeder darf das lesen, was er mag.
Irritiert hat mich aber dann die Aussage, dass scheinbar männlichen Autoren unterstellt wird, dass sie keine Romane aus Sicht von Frauen schreiben können und auch keinen Wert auf die Liebesgeschichte legen. Wo wir wieder genau bei dem Punkt sind: Wieso sollten Männer das nicht auch können? Frauen schreiben doch auch brutale Fantasy-Romane ohne Lovestory.

Als gutes Beispiel möchte ich hier Kai Meyer anführen. Die ersten Bücher von ihm habe ich ca. mit 11 oder 12 gelesen und er hat bei so gut wie jedem Buch, das ich von ihm gelesen habe, eine weibliche Protagonistin. Bei keinem dieser Geschichten hatte ich weder je den Gedanken im Hinterkopf, dass das ein Mann geschrieben hat, noch, dass mir jetzt die weibliche Komponente fehlt.
Gegenbeispiel: die Grenzen-Saga von Rebekka Mand. Hier gibt es zwar auch eine weibliche Protagonistin und ja, auch eine Liebesgeschichte spielt eine nicht unerhebliche Rolle, trotzdem kann diese Autorin ziemlich brutale Szenen schreiben. So heftig, dass mir beim Lesen sogar etwas flau im Magen wurde.
Wieso sollte es dabei also bitte einen Unterschied geben? Ich habe bis jetzt noch keinen feststellen können.

Fazit

Puh, das ist jetzt ganz schon lange geworden, aber ich musste mir das einfach von der Seele schreiben. Natürlich spiegelt das hier ganz und gar meine eigene Meinung wieder und ich bin offen für gegenteilige Ansichten.
Ich persönlich lasse mich nicht davon beeinflussen, von welchem Geschlecht eine Geschichte geschrieben wurde, und finde deswegen auch die Tatsache, dass Autorinnen und Autoren gezwungen werden oder selbst den Weg des Pseudonyms wählen, einfach nur unsinnig.
Natürlich falle auch ich auf die Marketingmasche der Verlage hinein, aber da macht mir einfach mein Leidenschaft für schöne Cover einen Strich durch die Rechnung. Dass ich deswegen sicher einige gute Geschichten verpasse, ist mir bewusst, aber es fällt schwer, das abzulegen.

Jetzt bin ich aber einfach auf eure Meinung gespannt. Ist euch der Autorenname beim Kauf wichtig? Achtet ihr darauf? Habt ihr Bücher von einer Autorin oder einem Autor gelesen und hattet das Gefühl, dass sich das Geschlecht auf den Schreibstil bzw. die Figurendarstellung ausgewirkt hat?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.